Mittwoch, 23. Juni 2010

In meiner Klotzbeute ist wieder Leben

Vor vielen Jahren habe ich mir mal einen aus Altersgründen gefällten Straßenbaum, eine Ulme, organisiert - also genauer gesagt: nur das untere Stück von ca. 2 m Länge und 60 cm Durchmesser. Es war ein ganz schöner Schund, ihn in meinem Grundstück zu bewegen und dann an geigneter Stelle sicher aufzustellen. Mit der Kettensäge brachte ich dann auf der Rückseite eine große rechteckige Öffnung ein, verschloß diese mit zwei Türen, bastelte mir passende Rähmchen und Beutenfenster. An der Vorderseite stach ich mit der Kettensäge 4 Fluglöcher ein - und besiedelte dem alten Baumstamm mit einem Bienenschwarm. Die Bienchen haben sich vielleicht gefreut: Hier ist es ja wie früher ! Einfach herrlich !
Ihr müßt wissen: ausgefaulte Höhlen in alten Bäumen waren über Millionen Jahre die natürlichen Nisthöhlen der staatenbildenden Honigbiene. Sie braucht den Schutz einer solchen Höhle, um die kalte Jahreszeit bei uns zu überstehen. Über viele tausend Jahre hat der Mensch, nachdem er den Nährwert des Honigs kennergelernt hat, solche Nisthöhlen besucht und den Bienenvölkern regelmäßig den Honig entnommen. Ab und zu fiel ein solcher Baum mit einer Bienenwohnung dem Sturm zum Opfer - oder er war einfach zu alt und fiel um. Da kam ein pfiffiger Mensch auf die Idee, das Stammstück mit der Bienenhöhle abzusägen - und bei sich zu Hause aufzustellen. So entstand in Mitteleuropa nachweislich die Hausbienenzucht. Klotzbeute nannte man diese mit Bienenvölkern besiedelten Stammstücke.
Und das wollte ich einfach nachempfinden. In den vergangenen Monaten habe ich meine Klotzbeute konstruktiv noch etwas verbessert - und nach Jahren endlich wieder besiedelt.
Irgenwann besorge ich mir mal ein noch dickeres Stammstück, höhle es aus und beschnitze es an der Außenseite. Mal sehen, vielleicht wird ein Bär draus; vielleicht auch etwas anderes. Figürliche Bienenbeuten sind schon was ganz besonderes. Und mein Bienenstand soll doch jedes Jahr ein bischen schöner werden.

Übrigens habe ich festgestellt, dass dieses Jahr deutlich weniger Hummeln, Wespen und Hornissen fliegen. Wahrscheinlich sind viele Königinnen, die als Einzeltier überwintern, den strengen Frösten zum Opfer gefallen.
In meinem alten Bienenkorb hat erfreulicherweise wiederum eine Hornisse begonnen zu brüten. Das spät einsetzende Frühjahr 2010 brachte auch hier Verzögerungen. Wir haben heute den 23. Juni und es fliegt bis jetzt nur die Hornissenkönigin. Da ist noch nicht eine einzige Arbeiterin geschlüpft ! In den nächsten Tagen wird's aber wohl werden.
Die Bienenvölker dagegen befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer jährlichen Entwicklung und bestehen jetzt aus 40 000 bis 60 000 Einzeltieren.

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